Fit in 5 Minuten

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Artikel im "Info Schule"

Bewegungstipps für den Unterricht

Die Sorge, dass durch Bewegung während des Unterrichts wertvolle Lernzeit verloren geht, ist unbegründet. Monika Prossliner (Lehrkraft für Bewegung und Sport, Koordinatorin für Gesundheitsförderung) ist überzeugt: Das Gegenteil ist der Fall.

Ein Großteil der Schüler/-innen verbringt mehr als acht Stunden am Tag im Sitzen: bei den Mahlzeiten, im Auto, Bus oder Zug, im Klassenzimmer, am Schreibtisch, am Computer, beim Fernsehen. Neben Rückenproblemen, Haltungs- und Kreislaufschwächen machen sich koordinative Störungen und ein Rückgang der körperlichen Leistungsfähigkeit bemerkbar.

Wahrscheinliche Folgen für den Unterricht sind Unlust zum Lernen, Anspannung oder gar gesteigerte Aggressivität, Lernstörungen und Beeinträchtigung der allgemeinen Befindlichkeit.

Für konzentriertes Lernen verbunden mit Stillsitzen gelten heute folgende Richtwerte:

  • circa 15 Minuten bei fünf- bis siebenjährigen Kindern
  • circa 20 Minuten bei sieben- bis zehnjährigen Kindern
  • circa 25 Minuten bei zehn- bis zwölfjährigen Kindern
  • circa 30 Minuten bei zwölf- bis fünfzehnjährigen Kindern/Jugendlichen

(Klimt, F: Die Gestaltung der Schulpause aus sozialpädiatrischer Sicht, 1981, Sozialpädiatrie, 3, S. 82–87)

Der Wechsel zwischen ruhigen und bewegten Phasen ist schülergerecht und lernfreundlich und belebt den Unterricht.

Warum sich Bewegung positiv auswirkt

Wenn Kinder ihre elementaren Bewegungsbedürfnisse nicht ausleben können, entsteht oft eine motorische Unruhe, die häufig mit einer Veränderung der Sitzposition und mangelnder Konzentration verbunden ist. Spätestens dann wäre es angebracht, den Unterricht mit einigen Minuten „Bewegungsspaß“ zu unterbrechen.

Unterbrechungen des Unterrichts, in denen gezielte Bewegungsübungen gemacht werden, stellen entgegen vieler Vorbehalte keine verlorene Unterrichtszeit für das kognitive Lernen dar, sondern wirken sich auf Schüler/-innen sowie Lehrpersonen gleichermaßen positiv aus. Der Wechsel zwischen ruhigen und bewegten Phasen ist schülergerechter und lernfreundlicher und kann den Unterricht beleben. Die Kinder sind danach wieder leistungswilliger, können besser zuhören und motivierter mitarbeiten. Durch Bewegung wird der Kreislauf angeregt und es gelangt mehr Sauerstoff ins Gehirn. Zusätzliche Informationszugänge werden dadurch erschlossen und die Informationsverarbeitung wird optimiert.

 

Aktive Pausen

Die Verbesserung der motorischen Fähigkeiten (Kraft, Ausdauer, Koordination, Schnelligkeit, Beweglichkeit) kann durch gezielte Übungen unterstützt werden. Kooperativ angelegte Bewegungsübungen können das Sozialverhalten der Kinder positiv beeinflussen. Bewegungspausen mit freier Aufgabenstellung können die Kreativität der Kinder fördern. Eine Rhythmisierung des Schulalltages sorgt dafür, dass Schüler/-innen ihre Energie nicht bis zur Pause aufstauen müssen, wo sie sich dann oft explosionsartig entlädt. Aktive Pausen können entweder situationsabhängig durchgeführt werden, zum Beispiel nach einer Schularbeit oder wenn die Unterrichtsinhalte eine Unterbrechung sinnvoll erscheinen lassen oder auch spontan, wenn die Lerngruppe einen ermüdeten, lustlosen, unruhigen und unaufmerksamen Eindruck macht.

Bewegungspausen sollten zwischen drei und acht Minuten (langsam steigern) dauern und im Klassenzimmer stattfinden. Andere Bewegungsorte wie die Aula oder der Flur sind dann sinnvoll, wenn die Bewegungsformen mehr Raum beanspruchen.

Voraussetzung für das Gelingen von Bewegungspausen ist, dass man als Lehrperson auch selbst von der Bewegungsidee überzeugt ist und engagiert mitmacht. Erst dann kann man glaubwürdig auftreten und die Schüler/-innen begeistern.

 

Anregungen zur Übungssequenz in der Klasse

Bei Neueinführung von Bewegungspausen in einer Klasse zunächst auf Stühle- und Tischrücken verzichten:

  • Übungen mit Namen versehen
  • dieselbe Bewegungspause eine Woche durchführen, dann erst eine neue Übungsfolge einführen
  • Umfang: drei bis fünf Übungen, Anzahl langsam erhöhen
  • einmal am Tag (sinnvoll in der 4. oder 5. Stunde)
  • auf viel Frischluft im Raum achten
  • auf eine bewusste und ruhige Atmung hinweisen
  • als Lehrperson den eigenen Stil finden