Geschichte aus erster Hand

Der Zeitzeuge Karl Pfeifer im Gespräch mit Schüler/-innen des Sozialwissenschaftlichen Gymnasiums und der Fachoberschule für Tourismus Bozen

Trotz seiner fast neunzig Jahre spricht Karl Pfeifer regelmäßig vor jungen Leuten von den Grausamkeiten, die er und seine Familie während der NS-Zeit erlebten, weil sie Juden waren.

Am Donnerstag, 9. Mai. 2018, sprach Karl Pfeifer mit den Schüler/-innen der Klassen S 3A und T 4B von seinen Kindheits- und Jugenderfahrungen während der Zeit des Nationalsozialismus.

Karl Pfeifer war 1938, als der Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland erfolgte, zehn Jahre alt. Die in Baden bei Wien lebende jüdische Familie floh wenige Monate nach dem Anschluss nach Ungarn. 1943 kam Karl Pfeifer in einem Kindertransport nach Palästina und lebte dort, von seiner Familie getrennt, in einem Kibbuz.

Karl Pfeifer erzählte den Schüler/-innen von Anfeindungen, die er als jüdisches Kind von Mitschüler/-innen und Erwachsenen erfahren musste, von den Sorgen der Eltern und der schwierigen Reise nach Palästina. Der ehemalige Journalist betonte aber auch, dass trotz der erlebten Schikanen und Demütigungen er immer wieder auf Menschen traf, die die nationalsozialistische Rassenideologie nicht teilten und die Familie sogar unterstützten.

Dass es sich um erlebte Geschichte handelt, wurde vor allem durch die gezeigten Fotos deutlich. Zu den persönlichen Erinnerungsstücken zählt auch der erste „Rot-Kreuz-Brief“ des Vaters, den der Sohn nach Monaten seiner Flucht aus Ungarn im damaligen Palästina erreichte. Das Format der „Rot-Kreuz-Briefe“ erlaubte es den Angehörigen von Auswanderern, gerade mal 25 Wörter zu schreiben.

Durch seine lebhafte, anschauliche und nicht zuletzt humorvolle Erzählweise hatte der Zeitzeuge die Aufmerksamkeit der Schüler/-innen ganz bei sich.

Karl Pfeifer
Zeitzeugengespräche gegen das Vergessen